Tai Chi - Taiji - Taichiquan

Ist Tai Chi gleich Tai Chi ???

Wer auf die Idee kommt, sich mit Tai Chi zu beschäftigen bzw. es erlernen möchte, steht vor der großen Frage: Wo soll ich welchen Kurs buchen? Welcher Schule schließe ich mich an? Was ist das mit dem „“Meister“....?

Ich werde hier einige Informationen zu den von mir unterrichteten Stilen geben:

Tai Chi war ursprünglich eine innere Kampfsportart, die vom General Chen Wangting (1597 – 1664 = 67 Jahre / auch: 1600 – 1680 = 80 Jahre) , entwickelt worden ist. Diese Formen wurden noch als Boxformen bezeichnet. Aus dieser Linie ist der Chen Tai Chi Stil entstanden, indem die äußeren Bewegungen (z.B. die „32 Formen des Boxens“) mit inneren Aspekten aus dem Taoismus verbunden worden sind.


Eine wichtige Persönlichkeit in der Tai Chi Historie ist Chen Changxing (1771 – 1853 = 82 Jahre). Er brach mit einer Familientradition, wonach Tai Chi nur innerhalb der Familie bzw. des Dorfes weitergegeben werden durfte, und dort auch nur an den Sohn der Familie. Es war also eindeutig eine männliche Weitergabetradition. Chen Changxing hat seinerzeit Yang Luchan (1799 – 1872 = 73 Jahre) als Schüler in den inneren Familienkries aufgenommen. Yang Luchan ist durch seine Weiterentwicklung des Tai Chi zum Begründer des Yang Tai Chi Stiles geworden. Er hat die urspünglichen Bewegungen verändert und vereinfacht.


Ein nächste wichtige Etappe ist das Jahr 1956. Zu dieser Zeit wurde vom Nationalen Sportkommitee von China eine Formenabfolge neu zusammengestellt, die schnell in der chinesichen Öffentlichkeit eine große Verbreitung fand: die 24er Form. In Deutschland wird sie auch als die „Peking Form“ bezeichnet und wird von mir als Einsteigerversion unterrichtet.
Es wurden Elemente aus älteren Formen entnommen, Wiederholungen gestrichen, Bewegungen vereinfacht und der Kampfaspekt als solches aus dem Training gestrichen. Tai Chi wurde zu einer Gymnastik mit einer Heilwirkung- zu einem präventiven Fitness-Programm.


Kampf“ Tai Chi wurde nur noch im Untergrund praktiziert und die großen Meister gingen vielfach nach Taiwan oder in die USA. Demzufolge findet man dort heute auch ein ganz anderes „Tai Chi“,Bewußtsein. In Deutschland, wo seit den 70er Jahren eher das sanfte, harmonische Tai Chi praktiziert wird, war der Kampfaspekt fast völlig verschwunden und Tai Chi wird als aggressionslos angesehen.


Seit nunmehr ca. 5 Jahren trennt sich das Tai Chi in Deutschland wieder und es treten vermehrt Tai Chi Gruppen auf, die den Kampfaspekt durchaus sehr intensiv pflegen. Auch Wettkämpfe (Formenlaufen) und Partnerwettkämpfe (ähnliche wie beim Ringen) gibt es. Die Entwicklung geht in der Zukunft von der ehemaligen Kampfkunst hin zum Kampfsport (ähnlich wie dies beim Karate erfolgte).

In meinen Kursen bin ich dem inneren Aspekt des Tai Chi verpflichtet. Neben der Formenlehre werden auch Qigong Übungen paktiziert, um die Entwicklung des Qi-Gefühles zu fördern. Die Partnerübungen (Tuishou) werden von den fortgeschrittenen Teilnehmern erlernt. Allerdings steht auch hier die Weichheit und das Loslassen im Vordergrund – und nicht das schnelle Siegen mit grobem Krafteinsatz.


Mein Leitmotiv ist :
  • Nach oben denken, nach unten sinken....
  • Alles Lösen....
  • Weich werden...
  • In das Nicht-Tun eintreten...

Tai Chi Angebote heute......

Bei der Vielfalt der Kursangebote ist es nur natürlich, dass es auch Qualitätsunterschiede gibt. So wurde ich z.B. mal von einem Fitnesstrainier angerufen, mit der Frage, ob er ein paar Tai Chi Bewegungen von mir erlernen könne....? Es wäre gerade ein Trendsport.....!

Eine seriöse Ausbildung umfaßt viele Jahre Training und sollte sich nicht nur auf eine Formenabfolge beschränken. Die Aussage, dass man einen sogenannten „Authentischen Stil“ praktiziert, ist nur von untergeordneter Rolle. Ich kenne mindestens 2 solcher „Authentischen Linien“, die beide behaupten, dass einzig wahre Tai Chi zu unterrichten. Die Ausführungen sehen völlig anders aus! Auch die Ausbildungszertifizierung durch den "Dachverband....." ist in der Tai Chi Szene mehr als umstritten. Mir reicht meine Anerkennung durch meine chinesichen Lehrer und die von etlichen chin. Gasttrainern, die ich im Laufe der Zeit erleben durfte. Zusätzlich habe ich allerdings auch hier in Deutschland noch eine langjährige Ausbildung mit einem Abschluß "Lehrer für...." absolviert.


Eine Tai Chi Lehrer Ausbildung kann bei mir in Form eines traditionellen langjährigen Trainings erfolgen - und nicht in Form einer Aneinanderreihung von Workshops. Die zeitliche Dauer richtet sich nach der persönlichen Entwicklungsgeschwindigkeit des Schülers.

Der Titel des Meisters ist nicht geschützt und taucht in den letzten Jahren vermehrt in Deutschland auf. Allerdings hat sich der Inhalt des Meistertitels und somit deren Erwerb auch im Laufe der Zeit stark verändert. Wenn man den Meistertitel mit dem Inhalt „Meister = Lehrer“ verwendet, dann wäre ich z.B. seit über 15 Jahren ein " Meister " ! (dazu später noch ein Artikel).

In meinen Kursen wird das „alte“, das geschmeidige Tai Chi vermittelt, verbunden mit modernen medizinischen Erkenntnissen, sowie eingebunden in die taoistische Philisophie. In letzter Zeit wird neben dem Pflegen des Inneren (Qigong) auch die äußere Anwendung (Tuishou, Anwendung) ein bedeutender Teil des Tainings gewidmet.



Tai Chi früher .....und  heute.....
War früher (17. -19. Jhd.) der Kampf mit oder ohne Waffen alltäglich, so haben sich heute die Aspekte verändert.

Unser „Kampf“ heißt heute: Stress, Burnout, Mobbing, Arbeitsplatzverlust....

............ und dafür ist Tai Chi, wie es in meine Kursen unterrichtet wird, ein wunderbares Bewegungssystem. Allerdings ist die „Entspannung“ ein wichtiger, aber nur ein kleiner Teil davon!



Das Motto meines Unterrichts :
Leben  –   Bewegen   –   Gesundheit